What on earth is fruitful?

1. Media reports in English and German / Medienberichte auf englisch und deutsch.

Das groesste Experiment an der Menschheit
Bees and Pesticides

2. Bienensterben:

Die Imker hoffen auf mehr als politischen Aktionismus
Landwirtschaftsminister Peter Hauk (?Zweiter von links) nimmt Anschauungsunterricht bei den badischen Imkern.
?Foto: Heck
Landwirtschaftsminister Peter Hauk zu Besuch in der Ortenau bei den vom Bienensterben Betroffenen – Zinslose Darlehen sollen helfen
Rheinau - Nach dem massenhaften Bienensterben am Rhein durch Pestizide hat der baden-württembergische Agrarminister Peter Hauk (CDU) betroffene Imker besucht und Hilfe versprochen. Die wollen das gerne glauben, bleiben aber misstrauisch.

        Von Meinrad Heck

Engelbert Braun hat die Hälfte seiner Völker verloren. Tausende toter Bienen liegen vor seinen Bienenstöcken in einem Waldstück bei Rheinau im Ortenaukreis. Ein wenig Rauch hält die paar Insekten auf Abstand, die es noch gibt. Der hohe Gast soll schließlich nicht gestochen werden, wenn er sich die Waben anschaut. Peter Hauk hat nach dem Massensterben der letzten zwei Wochen so etwas wie ein "klares Maßnahmenpaket" geschnürt und es den Imkern in der Ortenau vor laufender Fernsehkamera gleich selbst präsentiert. "Hoffentlich ist das kein Aktionismus", sagt Braun zum Minister und will "abwarten, wie es in zwei Wochen aussieht".
    
Das Wort von der Haftung spielt bei Rheinau eine große Rolle. Zu dem Massensterben – da sind sich Experten und der Minister mittlerweile fast sicher – war es durch ein Chemieprodukt gekommen. Das Insektizid Clothianidin soll die Maissaat vor dem Maiswurzelbohrer schützen, aber wegen einer "unsachgemäßen Beizung" von Saatgut klebte das Mittel eben nicht am Saatkorn, sondern gelangte in die Luft, auf angrenzende Felder, in Blüten und zu den Bienen. Wer haftet für diese mangelhafte Haftung? Die Antwort hat Hauk den Imkern in seinem Maßnahmenpaket zumindest "in Aussicht gestellt". Für Existenz bedrohte Imker soll es zinslose Darlehen geben. Selbst die Industrie habe "unbürokratische finanzielle Unterstützung signalisiert", teilte er mit. "Mal sehen", sagen die Imker, ob es bei den avisierten Entschädigungszahlungen bleibe, "oder wir darum prozessieren müssen".

Da liegt "eine Zeitbombe im Boden", wettert Hobbyimker Hubert Fischer und ergänzt, das Massensterben sei eine "schlimmere Katastrophe als die von Tschernobyl". Das Insektizid gehört ausschließlich in den Boden, kam aber an die Luft, und was das für Konsequenzen haben kann, ist nicht abschließend geklärt. Solch starke Wort mag Hauk nicht unkommentiert stehen lassen. Er wischt sich eine Biene aus dem Gesicht und sagt entscheiden: "Wir legen keine Bomben". Auch Imker würden gegen Krankheitserreger schließlich Chemie nutzen, die "alles andere als homöopathisch ist". Auch in Deutschland lebe man "nicht auf einer Insel der Glückseligen". Mit Anbaumethoden wie vor einigen hundert Jahren "ernähren wir heute keine Milliarden Menschen".

Auf die wesentlichen Fragen hat der Minister noch keine Antworten. Für Menschen sei das Insektizid "ungefährlich", sagen Wissenschaftler und "auf diesen Sachverstand muss ich mich verlassen können". Wissenschaftler können sich täuschen, wirft einer ein und will wissen, was es mit Berichten über rote Staubschwaden auf sich hat, die beim Aussäen von Landwirten eingeatmet worden sein könnten. Solche Berichte mag Hauk ungern gelten lassen. "Ich hab’s nicht gesehen", sagt er. Bei der aktuellen Trockenheit "staubt es immer", wer will also wissen, was da wirklich gestaubt hat.

Jetzt soll saniert werden. Die Waben in allen Bienenstöcken müssen ausgetauscht und vernichtet werden. Vereinzelte und laut Hauk ausdrücklich "nicht repräsentative" Untersuchungen von Honigproben hätten keine Hinweise auf Belastungen mit dem mittlerweile nicht mehr verwendeten Insektizid ergeben. Auch Erdbeeren seien unbelastet. "Ich würde keine essen", sagt Imker Hubert Fischer, "bevor ich’s nicht genau weiß". Hauk hat ein Expertenhearing einberufen. Das Agrarministerium will aber nur von "Einzelfällen" sprechen. Imker sehen ein grundsätzliches Problem im Umgang mit Insektiziden. Da am Rhein mindestens die Hälfte der Zucht- und Wildbienen tot ist, erwarten sie "riesige Bestäubungsprobleme". Das werde man bei der Obsternte merken.